Broadcom hat das VMware Virtual Disk Development Kit (VDDK) still und leise aus dem freien Downloadgenommen. Unter dem Titel „Broadcom erschwert den VMware-Ausstieg“ hat heise online den Vorgang aufgegriffen, bestätigt hat Broadcom die Änderung bislang nur gegenüber Fachmedien. Wer die Bibliothek heute braucht, muss Partner im Technology Alliance Program sein — für alle anderen ist die Seite schlicht leer. Das klingt nach einer Randnotiz, trifft aber eine Stelle, an der derzeit viele Häuser arbeiten.
Das VDDK ist die Schnittstelle, über die Backup- und Migrationswerkzeuge die virtuellen Festplatten einer VMware-Umgebung überhaupt erst lesen. Ohne sie lassen sich VMs zwar weiterhin betreiben, aber eben nicht mehr mit den etablierten Werkzeugen auf eine andere Plattform überführen. Betroffen ist damit ausgerechnet der Weg, den etliche Krankenhäuser gerade einschlagen: raus aus VMware, hin zu Proxmox — aus Kostengründen, aus Sorge vor weiteren Lizenzsprüngen oder schlicht, weil Souveränität inzwischen ein Vergabekriterium ist.
Solange ein bestehender Migrationsserver läuft und die Bibliothek bereits lokal vorliegt, ändert sich zunächst nichts. Kritisch wird es beim Neuaufbau: neue Appliance, neuer Host, neue Version des Migrationstools — und die Abhängigkeit fällt auf. Der Weg führt dann nur noch über einen Dienstleister, der noch Zugriff auf ein aktuelles VDDK hat. Eine weitere Kostenposition, ohne dass sich inhaltlich ein Mehrwert ergeben würde.
The Register hat den Wegfall der öffentlichen Downloads zuerst beschrieben und dabei auf Nutanix Move, Red-Hat-Werkzeuge und VMware-zu-KVM-Migrationen als betroffene Kandidaten verwiesen. ShapeBlue bestätigt das für Apache CloudStack, wo die VMware-zu-KVM-Migration auf dem VDDK aufsetzt und die bisherigen Links ins Leere laufen. Platform9 hält die Einschränkung für eine spürbare Bremse laufender VMware-Ausstiegsprojekte und skizziert Verfahren, die ohne das Kit auskommen. Und Borns IT- und Windows-Blog weist darauf hin, dass auch Microsoft Azure Migrate und das Red Hat Migration Toolkit in ihrer Dokumentation bislang auf den nun geschlossenen Download verwiesen haben.
Praktisch heißt das für IT-Verantwortliche: nachsehen, ob das eingesetzte Migrationswerkzeug das VDDK selbst mitbringt oder auf den Download angewiesen ist – und im zweiten Fall klären, welche VDDK-freien Pfade das Produkt beherrscht. Technisch bleibt der Wechsel von VMware zu Proxmox machbar. Er wird nur an einer Stelle unbequemer, die man bisher nicht auf der Rechnung hatte — und reiht sich damit in das Muster ein, das Broadcom seit der Übernahme von VMware erkennbar verfolgt.




